~:.Lucifer's Angel.:~

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So I look back upon my life



Autor: Akis kleiner Engel
Art der Story: Slash
Hauptpersonen: Aki & Lauri
Rating: 16/18
Warnungen: Sad, Fluff, Lime/Lemon, Violence, Death
Disclaimer: Mir gehören weder Aki noch Lauri, noch Eero und Pauli
Claimer: Rosii, Paavo - meins!
Sichtweise: Lauri


Kapitel 1: Rückblick
Kalt schlägt der Regen auf unsere Körper nieder. Fest umklammert ihre Hand die meine, zieht mich hinter sich her durch den ströhmenden Regen.
"Mama, wo gehen wir hin?" Meine Frage geht in dem lauten Plätschern des Wassers unter.
"Wir müssen weg Lauri."
Wo müssen wir hin Mama?
Warum müssen wir weg Mama?
Sag es mir Mama, warum fliehen wir?
Meine kleinen Augen durchsuchen die Gegend, überall Menschen die laufen, überall Menschen die am Boden liegen...
Warum schlafen sie hier und nicht in ihrem Bett?
Warum liegen sie in roter Farbe Mama? Sag es mir Mama...
"Halt!" Ruckartig bleibst du stehen Mama, wer ist der Mann?
Mama, warum schaust du so ängstlich?
Will er dir böses?
Und warum sind die Häuser alle rot, warum sind die Häuser so warm und man will nicht in diese Wärme?
Warum sind überall laute Stimme, die um Hilfe rufen, warum sind Pistolen zu hören?
"Lauri...", murmelst du Mama und schließt mich in deine Arme, drückst mich fest an dich. Ich kuschel meinen Kopf an deine Brust und fühle mich sicher, ich liebe dich Mama. Doch plötzlich bist du so kalt und fällst zu Boden, rührst dich nicht... Liegst in roter Farbe...
"Mama?" Ich rüttel leicht an deinem Arm, du sagst nichts.
"Mama?!" Ich sehe dich an und rüttel weiter an deinem Arm...
"MAMA?!", schreie ich in die Nacht...

Schweißgebadet schrecke ich auf und stoße mir den Kopf an der kalten und dreckigen Mauerwand.
"Aua...", murmel ich und reibe meinen Hinterkopf. Und wieder der Traum. Immer wieder wiederholt er sich. Ich hasse diesen Traum, ich hasse diese Realität an ihm...
Es war kein Traum wie sonstige Albträume, nein, es ist wirklich so passiert...
Ich war damals 3 Jahre alt und das einzige Kind meiner Mutter. Mein Vater hatte uns schon als ich noch ein kleines Baby war verlassen und wir hatten wenig Geld... Meine Mutter musste oft auf der Straße betteln und da sie Mitleid mit uns hatten bekamen wir auch immer etwas Geld erbettelt.
Doch dann kam der Krieg in unser Land. Wir wollten nach Schweden fliehen und dort weiterleben, aber wir haben es nicht geschafft.
In dieser grausamen Nacht starben viele Menschen, darunter auch meine Mutter. Ich weiß nicht wie ich mich damals retten konnte, indem ich mich weinend unter dem toten Körper meiner Mutter versteckte.
Damals war der nächste Morgen in rot gefärbt. Überall Blut und Feuer. Die einzigen Überlebenden zogen umher und suchten sich etwas zu essen. Nur ich bleib weinend bei meiner Mutter und nach unendlichen Stunden packte auch mich der Hunger. Ich krabbelte, klein wie ich damals war, durch die Straßen und stahl mir etwas zu essen.
Kommen wie es kommen musste verlief ich mich in unserer großen Stadt und fand meine Mutter nicht mehr wieder...

Ich versteckte mich zwischen den Trümern vor den Wachmännern, die mit ihren Laternen durch den frühen Morgen liefen und Überlebende suchten. Mama hatte mir erzählt sie würden sie als Sklaven mit in ihr Land nehmen und als Kind würde man wie Fleisch verkauft werden. Ich wollte nicht verkauft werden, ich wollte hier in Finnland bleiben...
Während mein Magen knurrte und ich gerade keinen Ton von mir gab, kam ein Wachmann zu meinem Versteck und zog mich raus.
"Nein! Lass mich los! Ich will zu meiner Mama!", schrie ich. Tränen liefen über mein Gesicht und ich strammpelte wie wild. Er wollte mich weg bringen und hielt mich am Kragen fest, verließ mit mir die Gosse. Aber mein Wille ließ mich von dem Wachmann fliehen. Ich biss ihm fest in den Arm und mit einem lautem Fluchen ließ er mich los. Ich nahm meine kleinen Beine in die Hand und begann zu rennen, um meine Existens zukämpfen und irgendwann Schutz in einem zerstörten und frisch abgebrannten Haus zu suchen.
Unsere Stadt wurde von einem Gewitter heimgesucht, löschte die letzte Brände auf. Mit den Tropfen des Regens stieg auch mein Durst und da ich nichts hatte, begann ich zögerend aus einer Pfütze auf dem rusigen Fußboden zu trinken. Ich begann mich in dem Haus umzusehen und blieb hinter einem alten Sofa, ebenfalls abgebrannt, sitzen. Ich lehnte meinen kleinen Kopf an das Sofa, zog die Beine an und schlang meine Arme um meine Beine. Ich begann zu weinen...
Ich wollte wieder zu meiner Mama...

Nach Stunden endete endlich dieses höllische Gewitter und das komplette Haus war nass und rutschig, mein Kleidung nass, blutig und verdreckt. Ich krabbelte über den Boden, ich wollte schlafen, aber in diesem Haus würde mich der Tod holen. Ich wusste das es im Laufe der Nacht einstürzen würde und ich so mein Leben beenden könnte.
Ich machte mich auf die Suche nach Mama...
Nach Stunden des Irrens fand ich "unsere" Gosse wieder und somit meine tote Mutter.
"Mama..." Mein Stimme war nur ein Wimmern aus meiner Kehle und ich kuschelte mich an den kalten und starren Körper meiner Mama. Ich wollte sie wiedersehen und kniff meine Augen zusammen um es mir ganz doll zu wünschen.
"Bitte Bitte lieber Gott, bring mir meine Mama zurück. Ich liebe sie doch." Ich wünschte so doll ich konnte, doch Gott erfüllte diesen Wunsch nicht, er schien sich nicht für mich nicht mal ein tröstendes Wort übrig zu haben...
Ich öffnete meine Augen wieder als ich Schritte hörte. Die Angst vor den Wachmännern packte mich und ich versuchte mich in einer kleinen Nische zu verkriechen und dort Schutz zu finden. Ich wollte meine Mama nicht alleine lassen. Nachdem die Schritte verschwunden waren traute ich mich aus meinem Versteck und krabbelte zu Mama. Ich strich ihr durch ihr langes, schönes, braunes und seidiges Haar. Sie hatte ihre Haare immer sehr gepflegt und sie war eine wunderschöne Mama... Meine Mama...
In meinen Träumereien merkte ich nicht, wie mich wer von hinten packte...

Sofort begann ich mich heftig zu wehren. Ich wollte doch bei meiner Mama bleiben!
Ich hatte es MIR und IHR versprochen! Ich begann mein Gegenüber zu treten, beißen, kratzen und schlagen. Aber nichts half. Er hob mich am Kragen hoch und blickte mir ins Gesicht.
"Na Kleiner, was machst du denn so ganz alleine hier?" Diese widerliche Stimme trieb mir Gänsehaut über den Körper.
"Lass mich los! Ich will zu meiner Mama!" Ich begann zu weinen, sämtliche Tränen liefen über meine Wangen. Der Kerl grinste mich an. Ihm fehlten Zähne und er hatte widerlichen Mundgeruch.
"Och komm... Ist das deine Mama?" Er trat doch wirklich meine Mama...
"LASS MEINE MAMA IN RUHE!" Ich begann wie ein wilder mit den Fäusten auf die Brust des Fremden zu hauen.
Er hatte nicht das Recht meine Mama zu treten!
Er hatte nicht das Recht ihr weh zu tun!
Er hatte nicht das Recht mich festzuhalten.
"Du bist ja ein ganz wilder Kerl!" Der Kerl grinste mich dreckig an und klemmte mich zwischen seinen Arm und seiner Seite. Er drehte sich um und begann zu gehen.
"NEIN! MAMA! MAMA!", schrie ich laut und strammpelte. Dann spürte ich nur noch einen Schlag auf meinen Kopf und alles wurde schwarz...

Benommen öffnete ich damals meine Augen und sah mich um. Ich lag auf einem harten Bett in einem kahlen Raum. Das Licht an der Decke flackerte und es war schwummrig in dem Raum.
Und überall waren große Frauen, halbnackt.
Wo war ich hier?
"Oh... Schaut mal. Er ist wach.", meinte eine Frau mit einem entzückten Quietschen.
"Wow, der ist ja ein süßer Bursche! Aber noch so jung..." Alle Augen lagen auf mir, eine etwas pummeligere Frau brachte mir einen Teller und strich mir über den Kopf.
"Hier mein Kleiner, du hast bestimmt hunger." Mein Magen knurrte und ohne groß nachzudenken begann ich den Teller leer zu futtern.
"Na, wie heißt du denn?" Ein Mädchen mit braunen, langen Haaren sprach mich an... Sie sah aus wie Mama...
"Lauri...", murmelte ich leise und aß weiter.
"Und wie alt bist du Lauri?" Die Pummelige mischte sich ein.
"Fünf." Entsetzen zog durch den Raum.

Damals war mir nicht klar das ich in ein Bordell verschleppt wurde. Deswegen wusste ich auch nicht, warum meine fünf Jahre so ein Ensetzen entfachten.
"Du bist erst fünf!? Oh Gott, Kleiner! Verschwinde hier sofort!", meinte das Mädchen das meiner Mama ähnlich sah.
"Warum...?" Ich legte leicht den Kopf schief.
"Das hier ist nichts für dich!" Die Mädchen verließen bis auf die, wo meiner Mutter so ähnlich sah, das Zimmer und verteilten sich.
"Hier werden bald ein paar Männer kommen... Sie sind nicht nett und werden dir weh tun wollen!" Sie nahm meine Hand und zerrte mich aus dem Zimmer.
"Warum?" Ich war damals so naiv.
"Es ist zu gefährlich hier! Geh und lauf zurück zu deiner Mama!", murmelte das Mädchen.
"Aber meine Mama ist ganz kalt und weiß... Und sie bewegt sich nicht..." Tränchen schoßen in meine Augen.
"Oh..." Mehr sagte sie nicht und da stellte sich schon ein riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesiger Kerl vor uns.
"Wie viel?", fragte er mit einer wirklich ekelhaften Stimme und nickte mit dem Kopf zu mir.
"Er ist nicht käuflich! Er ist noch ein kleines Kind!", protestierte das Mädchen.
"Mir egal...", brummte der Kerl, drückte dem Mädchen Geld in die Hand und zerrte mich mit sich...

Ich wollte mich wehren, doch was konnte ein Fünfjähriger gegen einen erwachsenen Mann schon ausrichten? Nichts...
Hart spürte ich meinen kleinen Körper auf das alte, knarrende Bettgestell schlagen. Das Bett war alt, verrostet und quietschte, die Matratze war halb zerfetzt, ich konnte das Lattenrost, morsches Holz, richtig auf meiner Haut fühlen. Mit einem Grinsen ließ sich der Mann auf dem Bett nieder und streckte seine Hand nach mir aus, wollte mich an den Haare packen.
Ängstlich wollte ich vom Bett krabbeln, aber der Kerl hielt mich am Bein zurück, drückte mich gegen die dünne Matratze. Ein Wimmern verließ meine Lippen und der Kerl packte mich mit seinen dreckigen Händen an.
"Dann wollen wir mal!" Er drückte mich mit einer Hand auf die Matzratze, mich kleinen Wicht, und öffnete mit der anderen Hand seine Hose.
Angst und Panik kroch in mir hoch, ich hatte schon damals oft davon gehört das Kinder mit Gürteln geschlagen wurden und der Mann hielt seinen Gürtel in der Hand...
"NEIN!" Ich biss dem Mann in sein schmutzige Hand und befreite mich. Ängstlich kroch ich in eine Ecke des dunkeln Zimmers und mit dem Gürtel, fest in der Hand, kam der Mann auf mich zu.
"Das gehört sich nicht!" Gequält schrie ich auf als mich der Gürtel auf meinen Körper traf. Ich spürte nur das Blut an meinem Körper herab fließen und vor meinen Augen wurde alles schwarz...
Wieder fand ich mich in dem Bett des Mädchens. Meine Wunde war verbunden, dennoch tat sie schrecklich weh. Wie ich erfahren durfte hatte mein Schrei die ganzen Frauen alamiert und sie wollten mich vor diesem Ekel retten. Rosii, die 'Mutter' aller Mädchen und die Pummelige, hatte dem Mann mit ihrer Bratpfanne eines Übergezogen. Und wieder sah ich das Mädchen das mich so an Mama erinnerte.
"Na Kleiner, geht's etwas?" Sie lächelte mich an.
"Ja..." Ein Nicken unterließ ich und sah das Mädchen an.
"Ich heiße übrigens Hanna." Hanna reichte mir ihre Hand.
"Wenn es dir wieder besser geht mein Junge, dann läufst du besser von hier weg!" Rosii strich mir über meinen kleinen Kopf und lächelte mich freundlich an. Sie hatte wirklich etwas mutterhaftiges an sich und lud nur zu guter Laune ein.
So schlich sich auch ein kleines Lächeln auf meine trockenen Lippen.


Kapitel 2: Die Flucht vor der Armee
Nach 3 Tagen verließ ich das Bordell, zusammen mit Hanna. Sie wollte von dort fliehen und mich begleiten.
"Macht es gut Kinder, passt auf euch auf! Und vergesst Rosii nicht!" Rosii knuddelt uns durch und gab uns ihren guten hausgemachten Streuselkuchen mit.
"Vergesst uns nicht!", riefen die anderen Mädchen und winkten uns von oben zu. Nur Rosii durfte mit zur Tür.
"Werden wir nicht! TSCHÜSS!", rief Hanna, nahm meine kleine Hand und zog mich hinter sich her. Es war eigentlich ganz schön naiv von mir mit ihr zu gehen, wäre sie drauf scharf gewesen mit mir Geld zu verdienen. Aber so eine Frau war Hanna nicht... Sie war wie meine Mama.
Wir liefen durch das zerstörte Helsinki. Überall lagen Trümer, verbrannte Leichen und immer noch Verletzte. Wären wir nicht auf der Flucht, dann hätte ich jedem Verletzten helfen wollen, aber Hanna hielt mich zurück.
"Im Krieg sollte man immer auf der Hut sein Lauri. Wir müssen hier weg, es tut mir zwar leid für die Verletzten, aber sie würden es sicher verstehen!", erklärte sie während sie mich mit sich zog.
Dann kamen wir an der Gasse vorbei. Meine Mama lag immer noch da.
"MAMA!" Ich riss mich von Hanna los und lief zu meiner toten Mama, kuschelte mich an ihren Körper.
"Ich hab dich vermisst Mama...", murmelte ich an ihren Bauch und schloß meine Augen, die voller kleiner Tränen waren.
"Hey... Lauri... I-..." Hanna stoppte und brach augenblicklich in Tränen aus. Auch sie stürzte zu meiner Mama...
Warum tat sie das?
Kannte sie meine Mama?
"Oh Lauri...", schluchzte sie und zog mich an sie, drückte mich fest an sie.
"Dann bist du mein kleiner Bruder?"

Weiterhin schluchzend drückte sie mich an sich und wiegtemich sanft hin und her. Sie war also meine Schwester und deshalb meiner Mami so ähnlich...
"Lass uns gehen Lauri!", murmelte sie, hob mich hoch und ging los, in ein neues Leben...
Doch die Armee machte uns einen Strich durch die Rechnung.
Als sie die Schritte der ganzen Männer hörte, drehte Hanna sich hektisch um und ihre Augen weiteten sich bei dem Anblick der Männer merklich.
"Schneller Lauri, bitte!" Unsanft zerrte sie mich mit sich.
"Warum Hanna?" Ich verstand sie nicht.
"Wir werden verfolgt!", meinte sie nur kurz. Sie lief weiter und rannte mit mir in ein altes, verfallenes Haus. Dort versteckten wir uns in einer engen Nische...
"Lauri..." Hanna sah mich an.
"Erzähl mir von deiner Zeit..." Ich nickte nur leicht.
"Papa ging als ich noch ganz klein war. Mama war hatte kein Geld, also lebten wir auf der Straße und fragten die Leute nach Geld. Dann kam der Krach, die Schreie und dieser Geruch über die Stadt. Mama wollte mit mir fliehen..." Erschrocken sah Hanna mich damals an. Dann schliefen wir erst einmal.

Am frühen Morgen weckte Hanna mich und wir verließen die Nische. Ganz vorsichtig betraten wir die Straße, begannen zu rennen. Irgendwann wurden wir wieder verfolgt.
"Hanna... Ich hab so hunger... und durst...", rief ich ihr leise zu, doch sie schien es zu ignorieren.
Mein Körper war schwach und meine Beine schmerzten. Diese Schmerzen wurde unerträglich, ich fiel zu Boden. Die Armee war immer noch hinter uns.
"Lauri!" Hanna lief zu mir und hob mich hoch. Doch sie war zu langsam, sie fiel nach lautem Krach einfach auf mich, getränkt in roter Farbe.
"Hanna!!" Ich rüttelte an ihrem Körper und die Armee suchte sich ihre nächsten Opfer.
"Lauri... Du musst jetzt ganz stark sein... Ich weiß, du schaffst es..." Sie strich mir über die Wange.
"Hey... Wein doch nicht..." Ihre Hand fuhr über meine Wangen und sammelte die Tränen auf.
"Die Armee... wird dich jagen... Also lauf Lauri... Lauf!" Sie schloß ihre Augen, für immer. Wieder war ich allein, ganz allein. Ich begann zu laufen, so zu laufen wir ich noch nie gelaufe war, trotz meiner Schmerzen.

Schwerfällig stehe ich auf und klopfe mir den Staub von meiner Hose. Ich bin zurück in Gosse, in der vor 19 Jahren meine Mutter gestorben war.
"Ich sollte nicht immer so leicht einschlafen...", flüster ich mir selbst zu und gehe los. Ich wollte hier meiner Mutter und Hanna gedenken, aber ich bin wohl mal wieder in der Gosse beim Nachdenken eingeschlafen. Ich sollte langsam mal nach Hause, es wird sicher schon auf mich gewartet. Langsam tragen mich meine Füße aus der Gosse, ich schwinge mit den Gedanken zurück zu meinen Erinnerungen...

Hanna hatte mich damals verlassen, ich sollte flüchten, ich tat dies. Ich lief damals so schnell wie meine Beine mich trugen. Am Stadtrand, wo die Armee nicht mehr zu sehen war, ließ ich mich nieder. Meinen Blick ließ ich suchend über die schwarze Asche der Häuser wandern. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg mir in die Nase, reizte sie sehr. Ich musste davon niesen.
"Gesundheit!", tönte es hinter mir. Ich drehte mich um, dort stand ein junge, etwa in meinem Alter.
"Oh... Wer bist du denn?", fragte ich neugierig wie ich war.
"Ich bin der Aki und wer bist du?" Grau-blaue Augen glänzten mich belustigt an.
"Ich bin Lauri!" Aki begann zu grinsen.
"Was machst du denn hier?" Seine braun-blonden Haare standen wild und wirr in alle Richtungen ab, er sah ulkig aus.
"Ich laufe weg. Meine Mama liegt irgendwo in der Stadt und hat mich alleine gelassen..." Eine kleine und einigermassen kräftige Hand legte sich auf meinen Kopf.
"Das tut mir leid für dich Lauri. Mein Papa hat mich alleine gelassen..." Traurig sahen mir diese grau-blauen Augen entgegen, hatten ihren belustigten Glanz verloren. Ich entschloß mich dazu meine Hand auf seinen Kopf zu legen, vielleicht würde er sich auch ein wenig trösten lassen. Er fragte mich ob ich mit ihm kommen möchte und zeigte auf einen Schwall Rauch im Himmel. Ich nickte leicht und wir gingen los, stiegen über die Asche und die Trümmer. Zum Schluß kamen wir kohlrabenschwarz bei einem kleinem Lagerfeuer an an dem noch andere Kinder saßen. 2 Jungs, aber größer als wir.
"Wer ist das Aki?", brummte einer von ihnen dem Blond-braunen Buben.
"Das ist Lauri, seine Mama hat ihn alleine gelassen."
"Oh, Willkommen im Club! Das ist Eero und ich bin Pauli."

Gemeinsam saßen wir am Feuer und wärmten unsere kalten Körper. Pauli erzählte das seine Eltern ihn verlassen haben, gestern. Sie wollten auch mit ihm vor der Armee fliehen, aber bei ihrer Flucht sind sie in einen Fluß gestürzt und nicht wieder gekehrt.
Auch Eero erzählte seine Geschichte. Bei ihm hatte das Haus gebrannt und seine Eltern wollten noch seinen kleinen Bruder aus dem Haus holen, kamen aber nie mit seinem Geschwisterchen herraus. Am Ende war bei dem Haus nur Asche zurück geblieben.
Bei Aki war die Geschichte auch traurig, seine Mutter starb während er geboren wurde und sein Vater hatte Markus sehr geliebt. Sein Vater wurde vor seinen Augen auf dem Scheiterhaufen unserer Feinde verbrannt.
Dann kam ich mit meiner Geschichte. Ich erzählte davon was ich seit meine Mama in der Gasse liegt erlebt habe, wie Hanna mich allein ließ und wie ich die Drei traf.
Und am Ende unserer Geschichtenerzählung saßen wir vier dort, weinten unseren geliebten Eltern und Geschwistern nach.

Gegen Abend wurde es immer kälter und unser Feuer war auch schon fast abgebrannt. Wir wussten das die Nacht wieder kalt werden würde und das man unser aber durch das Feuer finden würde. Also ließ wir das Feuer abbrennen und zündeten kein neues an, es wäre nur sinnlos und gefährlich für uns gewesen.
"Gute Nacht.", kam es von uns 4 Kindern aus dem Mund und wir kuschelten uns alle zusammen unter einem kleinen Stückchen Mauer mit Dach, das noch stand. So waren wir vor dem Regen geschützt, der uns in der Nacht heimsuchte und um ein Haar unsere Klamotten durchnässt. Als ich schließlich auch meine Augen schließe, wie Aki, Eero und Pauli es getan hatten, schoßen mir wieder Fragen durch den Kopf.
Was machen Hanna und Mama gerade?
Sahen sie vom Himmel auf mich herab?
Spielten sie dort zusammen Karten und dachten an mich?
Hatten sie mich noch lieb?
Doch für weitere Fragen die ich mir stellte vergass ich wieder, denn ich fiel in einen tiefen und ruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen reckte und streckte ich meinen kleinen aber zähen Körper und öffnete meine Augen.
Warum lag ich so hart? Ich sah mich um, ich lag in irgendeinem Raum, Eero, Pauli und Aki waren auch hier und sie waren wach.
"Wo sind wir hier?!", fragte ich leise.
"Wieder in der Stadtmitte, im Haus von unserer Armee. Sie wollen uns beschützen!", meine Pauli aufgeregt.
Die Armee unseres Landes wollte uns helfen? Mir kam es schon ein wenig spanisch vor, aber ich sagte nichts dazu, ließ es einfach so im Raum stehen und sah mich lieber um.
Ein olivegrünes Feldbett stand nah an die Wand gedrückt dort und wartete bis sich einer zum Schlafen auf es legte. Ein kleines, für uns viel zu hohes, Waschbecken war an der Wand befästigt und sonst war der Boden aus kaltem Stein. Ich fand dieses Zimmer sehr ungemütlich und auch nicht einladen, eher abstoßend. Die Tür des Raumes öffnete sich mit einem Quietschen und wir wurden von einem Mann in einem Armeeanzug mitgenommen.


Kapitel 3: Harte Arbeit
"So! Ihr Kinder bleibt nur hier, wenn ihr eure kleinen Hintern bewegt und uns gefälligst unter die Arme greift!", keifte uns der Mann von der Armee an, wurde von dem Schreien schon ganz rot im Gesicht und sein Gesicht war vor Wut verzerrt. Er blieb ruckartig vor einer Tür stehen, öffnete diese und schob uns alle in das Räumchen.
"Hier wohnt ihr, ohne Ausnahme!" Der böse Mann ging davon, schloss die Tür hinter sich und schon hatte ich einen ängstlichen Aki an meinem Rücken kleben.
"Lauri... Ich hab Angst!", wimmerte er leise in mein Ohr und meine Stimme versagte, als ich Eero und Pauli ansah. Den Beiden schien dies alles kalt zu lassen, ihnen war es wohl egal was mit uns passierte.
"Hab keine Angst Aki... Ich habe auch Angst, aber wir sind Freunde und Freunde schaffen zusammen alles!" Aki schniefte, wischte sich die Tränen weg und zog sein Näschen hoch.
"Ja! Wir schaffen das, Lauri!" Lachend hopste er in meine Arme und lachte vor sich hin.
Dann sah ich mich erst einmal in dem Räumchen um. Hier befanden sich zwei kleine Schränke, zwei Feldbetten und ein Tisch mit vier Stühlen. Es sah nach Teilen aus...
"Wie machen wir das mit dem Schrank und den Betten?", sprach Eero dann auch schon meine Gedanken aus.

"Ich würde sagen, immer zwei von uns teilen sich ein Bett und den Schrank können wir alle zusammen benutzen!", schlug Pauli ganz klug vor und wir alle nickten.
"Aber zuerst müssen wir das Zimmer ein wenig aufräumen, das ist ja schrecklich!", nörgelte Eero. Ich wusste damals warum Eero sich von uns drei Anderen unterschied. Er war wirklich ZU intelligent für sein Alter gewesen und er ist es heute noch. Er ist der Vernüfigste von uns vier Knaben geblieben.
"Okay!", riefen wir im Chor und das Aufräumen begann. Mühsam klopften Aki und ich zusammen die dünnen Matratzen der beiden Betten aus und versuchten die Wand daneben ein wenig zu reinigen.
Pauli quiekte die ganze Zeit, weil er nicht die Toilette putzen wollte. Er sagte die ganze Zeit, das wär so ekelhaft. Eero erbarmte sich dann und übernahm seinen Job. Am Ende des Tages waren wir völlig geschafft von dem Aufräumen. Gähnend legte ich mich auf eines der Betten und hörte auf einmal Akis Stimme neben mir.
"Darf ich bei dir im Bett mitschlafen?"

"Natürlich!", rief ich damals leise, machte Aki etwas Platz in dem kleinen Bett. Es war zwar lang genug, aber doch ein wenig in der Breite zu klein für uns Beide. Immer wieder traten wir uns leicht beim Hinlegen, kicherten ab und zu leise.
"Schlaf gut, Lauri!", flötete Aki leise in mein Ohr und schloss seine kleinen, blau-grauen Augen.
"Du auch, Aki...", murmelte ich müde und versank in meiner heilen Traumwelt.

Leise Schritte hinter mir lassen mich zusammen zucken, es werden immer mehr Fußpaare, nun sind es schon zwei! Gehetzt laufe ich davon, versuche mich zu verstecken und laufe in eine Sackgasse.
"Lauri... Warte doch..." Geschockt fuhr ich herum, blickte in die Gesichter von meiner Mutter und von Hanna. Warm lächelten sie mich an.
"Gib nicht auf Lauri! Du wirst hier auf der Welt noch mächtig gebraucht, mein Junge!" Die Hand meiner Mutter streicht mir durch mein wirres, dunkelbraunes Haar und ihre Augen funkeln so wunderschön wie sie es immer taten.
"Wir sind immer bei dir Lauri, vergiss das nicht!" Hanna kommt näher, legt einen Arm um mich und die Wärme meiner Mutter und von Hanna lult mich ein...


~**~

"AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!" Erschrocken zucke ich aus meinem Schlaf, kralle mich in den nassen Bettbezug unter mir.
"Schsch Schatz... ganz ruhig... das war nur ein Traum..." Akis sanfte Stimme an meinem Ohr lässt mich leise seufzen, beruhigt mich ungemein.
"Hattest du wieder den Traum?" Langsam und zart schlingt Aki seine Arme um meinen schmächtigen Körper, streicht mir meine feuchten, klebrigen Haarsträhnen von der Stirn und gibt mir einen zärtlichen Kuss auf die Lippen.
"Ja...", murmel ich. So lange quält mich dieser Traum nun schon, seit der ersten Nacht in dem Haus der Armee, als ich mir mit Aki das kleine Bett teilte. Seit diesen schrecklichen Erlebnissen, die aus uns vier Kleinkindern von der einen zur anderen Minuten Erwachsen werden ließ... zumindest im Ansatz.
"Es ist seit der Nacht bei der Armee, als ich mit dir in dem kleinen Bett schlief und ich dich danach tröstete, oder?", raunt Aki leise in mein Ohr, jagt mir somit einen Schauer über den Rücken.
Mehr als ein Nicken brauche ich nicht, Aki schlingt sofort fester seine starken Arme um mich.

"Hab keine Angst, mein Kleiner! Ich bin bei dir und passe auf dich auf, das weißt du doch, oder?"
Warum beruhigt mich seine Stimme so ungemein?
Wie macht er das?
"Ja, ich weiß es, Aki!" Ich nicke ihm zur Bestätigung zu und er lächelt leicht.
"Ich liebe dich!"
"Ich dich auch!" Wieder spüre ich seine weichen Lippen sanft auf meinen und ziehe ihn näher an mich. Seine Nähe tut mir so unglaublich gut...

~**~

"Aufstehen! Die Arbeit beginnt!" Träge öffnete ich meine Augen und blickte zu der sperrigen Holztür. Ein Mann in Tarnuniform stand im Türrahmen und sein Gesicht war leicht wutverzerrt und rot angelaufen.
"Ja, Sire!", kam es vom Bett gegenüber. Eero blickte den Mann an und dieser nickte zufrieden.
"Ihr habt 10 Minuten!" Mit einem Knallen war er aus unserem kleinen Reich verschwunden. Müde rieb ich meine Augen und sah zu Aki. Er stand auf, durchwühlte den großen Klamottenhaufen in der Mitte des Raumes. Ich tat es ihm gleich.
"Manno, das ist alles viel zu groß!", jammerte ich und blickte an mir herab. Die Hose der Uniform war bloß notdürftig abgeschnitten und trotzdem viel zu lang. Sollte ich rennen, würde ich über die Hosenbeine stolpern und hinfallen. Die Ärmel der Jacke hingen fast 50 Zentimeter über meine Hände hinaus. Im Ganzen hätte ich die Uniform als Nachthemd tragen können. Blind lief ich los, denn auch der Helm ging mit bis zur Nase. Ich sah nichts und spürte nur einen dumpfen Schlag.
"Lauri! Du bist grad gegen die Wand gelaufen!", lachte Pauli.

„Au...“, jammerte ich leise und nahm den Helm ab. Auf meiner Stirn prangte eine große, rote Beule. Pauli lachte immer noch und Aki baute sich vor ihm auf.
„Pauli! Das ist nicht lustig, er hat sich wehgetan!“, schimpfte er mit Pauli, dieser wurde immer kleiner und lachte nicht mehr.
Der Schmerz trieb mir Tränen in die Augen, diese liefen schon bald über meine Wangen.
„Hey... Lauri, tut es sehr weh?“ Besorgt drang Akis Stimme zu mir durch, seine Hände wischten sanft die Tränen fort.
„Ja...“, schniefte ich vor Schmerz. Aki besah sich die Beule und verschwand aus dem Räumchen.
„Wo ist er hin?!“, jammerte ich leise und Eero kam zu mir.
„Er holt dir einen Eisbeutel, keine Angst, er kommt wieder!“, tröstete er mich. Und wirklich keine zwei Minuten später drückte Aki mir sanft einen Eisbeutel an die Beule.
„Geht's wieder?“
„Ja, danke, Aki!“
„Kein Problem... für was sind Freunde denn da?!“, lachte er unbeschwert. Ja, wir waren Freunde. Aber dass aus uns später mehr wurde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.


Kapitel 4: Harte Arbeit II
Unser Lachen hielt nicht lange an, denn die zehn Minuten, die uns der Mann von der Armee gegeben hatte, waren vorbei und er stand im Türrahmen.
„An die Arbeit, Jungs, es gibt viel zu tun.“
Er wirkte auf einmal viel entspannter und vor allem freundlicher. Er ging einen langen dunklen Gang hinauf, wir vier Jungs folgten ihm im Gleichschritt. Unser Marsch endete an einer großen metallischen Tür. Aus ihr drangen dumpfe Schreie.
„Aki… was hat er vor? Wo bringt er uns hin…?“, flüsterte ich Aki leise zu und er merkte meine Angst, die mich beschlichen hatte. Er griff kurz nach meiner Hand, drückte sie.
„Hab keine Angst, Lauri, wir sind Freunde und Freunde schaffen zusammen alles, schon vergessen?“, flüsterte er mir beruhigend zu, lächelte mich kindlich an.
Und da fiel mir auf, dass ich ihm dieselben Worte gesagt hatte als er ängstlich war. Ich nickte, griff aber erneut nach Akis Hand und drückte sie. Ja, wir waren Freunde.
Erst heute ist mir bewusst, wie viel Bedeutung in diesen damals „kindlichen“ Aussagen lag. Wir waren von unserem Auftreten vielleicht erwachsen geworden, aber verstanden haben wir trotzdem damals nicht mehr.

„Hier werdet ihr arbeiten, eure Hilfe wird hier in jeder Ecke benötigt.“
Der Anblick, der sich in dem Raum für uns Vier bot, war schrecklich. Überall standen Feldbetten, von Blut und Schweiß verfärbt. Auf ihnen lagen Überlebende, Verletzte oder auch Verwundete, die ihren Kampf gegen den Tod erst hier aufgegeben hatten. Wir brachten erst einmal kein Wort heraus. Zu sehr erinnerte uns der Anblick an unsere Erlebnisse, an die Tatsachen, wie wir unsere Familien verloren.
„Jungs, ich weiß, ihr seid noch sehr jung. Und ich weiß, dass ihr schreckliche Dinge erleben und sehen musstet. Ich weiß, dass ihr dadurch gezwungen wurdet Erwachsen zu werden. Aber die Menschen hier brauchen euch…“
Die Erkenntnis traf mich damals wie ein Schlag. Sofort wanderten meine Gedanken zu dem Traum, den Worten meiner Mutter. Ich bin noch hier, weil ich gebraucht werde.

„Ja, Sire!“, rief ich aus und ließ Akis Hand los. Ich sah zu ihm. Er sah mich verwundert an. Er bemerkte meine Entschlossenheit und nickte ebenfalls.
Schließlich trat ich gänzlich in den Raum und ging nach rechts, während Aki nach links ausscherte. Meine Augen suchten eine Krankenschwester, die sich zwischen den Verletzten durchdrängelte und von allen Seiten um Hilfe geboten wurde. Ich lief so schnell mich meine kurzen Beinchen trugen - und so vorsichtig, dass ich nicht über die langen Klamotten stolperte - zu ihr und zupfte an ihrem Oberteil.
„Nicht jetzt, Kleiner, ich kann nicht.“
Ich ignorierte ihre Aussage gänzlich und sprach einfach.
„Wo kann ich helfen?“
Zwei rehbraune Augen sahen mich erstaunt an. Sie drückte mir mehrere frische Verbände in die Hand, während sie die andere Hand nutzte um Kranke zu versorgen.
„Wechsel bei jedem Verletzten die Verbände, dessen Verbände so aussehen…“ Sie deutete auf den Mann vor ihr, dessen Arm komplett verbunden war. Der Verband wirkte dreckig und alt, weil er blutdurchtränkt war, „… weiteres Verbandszeug befindet sich in den Kisten… vielen Dank, Kleiner…“
Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, während ich an das Ende des Raumes flitzte um dort zu beginnen, dass auch Aki, Eero und Pauli sich eine Aufgabe beschafft hatten. Mein erster Halt führte mich damals zu einem älteren Mann. Er war von oben bis unten mit Verbänden umwickelt, doch nur der Verband an seinem Bein hatte ein Auswechseln nötig.
Vorsichtig begann ich den Verband zu entfernen und was sich mir unter dem Verband zeigte, trieb mir zunächst den Würgreiz hoch, doch ich beruhigte mich schnell. Die Schwester kam zu mir geeilt, legte ihre Hand auf meine Schulter.
„Du wirst noch nie einen Verband gemacht haben, ich zeig es dir…“ Sie zeigte mir an dem Bein des Mannes, wie ich den Verband anzulegen hatte, dann ließ sie mich allein.
Ich versuchte das Bild des Mannes aus meinem Kopf zu vertreiben, ehe ich mich dem nächsten Feldbett zuwandte.
„Hallo? Wer ist da? Wer bist du?“ Es war ein Mädchen, sie war vielleicht vier- oder dreizehn Jahre alt. Ihre Augen waren verbunden, sowie ihr Arm, welcher einen neuen Verband benötigte.
„Ich… ich bin Lauri, ich… bin hier um deinen Verband zu wechseln…“
Ein Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, wenn auch nur leicht.
„Oh ja, bitte…“ Vorsichtig entfernte ich den Verband und legte den Neuen an, während mir das Mädchen erzählte, was ihr widerfahren war.
„Und dann… sah ich nichts mehr… und mein Arm schmerzte höllisch… oh, du bist fertig… danke, Lauri. Nun hilf den anderen, auf bald“ Sie schenkte mir ein letztes Lächeln, ehe ich mich um ihren Nachbarn kümmerte.
Bis zum Abend versorgte ich die Leute mit frischen Verbänden, zwischendurch besorgte ich ihnen Wasser oder half beim Trinken. Schließlich hatten Eero, Pauli, Aki und ich unsere Arbeit für den Tag erledigt.
„Vielen Dank, Jungs, jetzt geht euch waschen und dann…“ Der Mann der Armee räusperte sich. „Ihr habt zehn Minuten bis zum Abendmahl.“
„Ja, Sire!“

~**~

Ich öffne meine Augen als ich bemerke, wie sich die Matratze neben mir hebt. Meine Hand greift nach der von Aki, hält ihn zurück. Ein erstauntes Augenpaar blickt mich an.
„Wo willst du hin…?“, murmle ich verschlafen. Aki schenkt mir ein warmes Lächeln, drückt meine Hand.
„Ich wollte das Frühstück machen, Liebes…“
Ein verstimmtes Brummen verlässt meine Lippen.
„Um diese Uhrzeit…?“ Aki lacht auf, beugt sich zu mir runter und haucht mir einen Kuss auf die Stirn.
„Du bist wieder eingeschlafen, Süßer, es ist schon zehn Uhr morgens!“
„Oh…“
Widerwillig lasse ich Akis Hand los und er verschwindet gänzlich aus dem Schlafzimmer. Murrend setze ich mich auf, reibe mir den Schlaf aus den Augen und blicke aus dem Fenster hinaus. Draußen schneit es.
Lächelnd erhebe ich mich und trete zum Fenster, beobachte den Schnee beim Fallen und lausche den Geräuschen der Kaffeemaschine, die Aki angeschaltet hat, und dem Tellerklappern. Nach einer Weile löse ich mich von dem Anblick und verlasse ebenfalls das Schlafzimmer.


Kapitel 5: „Festmahl“
„Was… ist denn das?“ Argwöhnisch besah sich Pauli seine Schüssel. Darin befand sich Hafer, eingeweicht in Wasser.
„Das ist Haferschleim, darin wirst du dich gewöhnen müssen“, wies uns Paavo - der Mann aus der Armee hatte uns seinen Namen verraten - an.
Ich schluckte, während ich meinen Löffel in das Gemisch tauchte und ihn gefüllt in meinen Mund steckte. Der erwartete Brechreiz blieb bei mir aus. Es schmeckte nicht sonderlich gut, aber auch nicht zum Erbrechen schlecht. In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Schließlich folgten Aki und Eero meinem Beispiel, während Pauli sich noch zierte. Paavo sah uns mit Belustigung zu, nebenbei schnitt er von einem Leib Brot mehrere Stücke für uns ab.
Hungrig leerte ich meine Schüssel und wandte mich erst dann dem Stück Brot zu. Es schmeckte für ein einfaches Stück Brot in meinen Augen einfach köstlich.

~**~

„Lauri? Lauri? Hallo, Süßer? Bist du da?“
Verwirrt sehe ich Aki an, der mich schmunzelnd anblickt.
„Schon wieder erinnert?“
Ich nicke knapp und betrachte Akis Position. Wie er dort vor mir steht, das Brot in der Hand hält und Scheiben für das Frühstück abschneidet. Wie Paavo damals bei unserem ersten Essen.
Aki setzt sich mir gegenüber, greift über den Tisch und nimmt meine Hände. Er lächelt mich sanft an, ehe er sie an sein Gesicht zieht und sie küsst.
„Es beschäftigt dich im Moment sehr, nicht wahr?“
Meine Antwort bleibt zunächst ein Nicken, dann setze ich zum Sprechen an.
„Aber… verwundert dich das…? Morgen… ist das Treffen.“ Aki nickt.
„Natürlich verstehe ich es… aber mir wäre es lieb, wenn du die schrecklichen Erinnerungen nicht durchleben musst…“ Besorgt schaut er mich an, ich muss lächeln. Ich löse meine Hände aus den seinen und umfasse sanft sein Gesicht.
„Süßer… keine der Erinnerung ist schrecklich…“ Ich ernte einen verwirrten Blick von Aki, doch ich lächle weiter.
„Weil du darin vorkommst…“
Erstaunt sieht mich Aki nun an, grinst dann breit und küsst mich leidenschaftlich auf die Lippen.

~**~

„Morgen geht die Arbeit weiter, Jungs! Gute Nacht!“
„Gute Nacht, Sire!“, riefen wir aus einem Mund und Paavo verließ unser Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
Geschafft nahm ich mir den Helm ab. Aki grinste mich an und beugte sich über meinen Kopf.
„Deine Beule sieht schon viel besser aus!“, meinte er gut gelaunt und Eero stimmte ihm zu.
„Stimmt, sie ist abgeschwollen!“
„Schön!“, strahlte ich und zog mir umständlich die zu große Uniform aus, die Anderen taten es mir gleich. Erschöpft krabbelte ich schließlich auf das Feldbett und Aki folgte mir.
„Du… Lauri?“
„Ja?“
Aki sah mich leicht schüchtern an.
„Darf ich kuscheln?“
Ein Kichern folgte damals von meiner Seite und wir kuschelten uns zusammen. Wir waren trotz der harten Arbeit noch nicht müde genug um zu schlafen.
„Mein Traum heute Nacht…“
„Der dich zum Weinen gebracht hat?“ Ich nicke und fahre fort.
„Ich habe von meiner Mama und von Hanna geträumt… Mama sagte, ich sei noch hier, weil ich gebraucht werde… glaubst du, ich bin hier, weil all die Verletzten und Leidenden meine Hilfe brauchen?“
Aki sah mich eine Weile nachdenklich an, ehe er nickte.
„Ja, ganz bestimmt!“
Das war die Antwort die mein Gewissen damals hören wollte. So konnte ich viel leichter in den Schlaf fallen und meine schrecklichen Erlebnisse besser verarbeiten. Aki gähnte und schloss die Augen.
„Schlaf gut, Lauri…“, murmelte er noch und hörte meine Antwort gar nicht mehr.
„Du auch, Aki…“

~**~

Das Frühstück verläuft sehr harmonisch, kaum eine Erinnerung ereilt mich. Ich sehe lächelnd zu Aki und er lächelt zurück.
„Bist du denn sehr aufgeregt wegen morgen?“, fragt er und beißt in sein Brot.
„Ja, sehr…“
Aki schmunzelt und streicht mir über die Wange. Ein genießendes Seufzen verlässt meine Lippen.
„Das verstehe ich sehr, Süßer… wir treffen uns ja nicht immer mit Eero, Pauli und Paavo… wir haben sie immerhin fast vierzehn Jahre nicht mehr gesehen!“
Ich nicke. Gemeinsam räumten wir den Tisch ab. Damals, als der Krieg endete, nahm Paavo Eero und Pauli bei sich auf, während Aki und ich in zwei verschiedenen Heimen Unterschlupf fanden. Ursprünglich wollte er sich um uns Vier kümmern, jedoch konnte er nur zwei nehmen. Wir mussten uns also entscheiden. Aki und ich hatten uns damals für Eero und Pauli entschieden, weil sie noch am ängstlichsten von uns waren.

~**~

Schniefend zog ich meine Nase hoch und ließ mich von Pauli durch knuddeln.
„Lauri…“, schniefte er, „vergiss mich nicht und spiel ganz viel, wenn du kannst, hörst du?“
„Ja, du auch!“
Schließlich nahm mich der weinende Eero in den Arm.
„Danke, Lauri… Aki und du, ihr habt mir eurer Entschlossenheit Pauli und mich angestachelt… danke für alles…“ Er wuschelte mir durch die Haare. Paavo legte seine Hände auf die Schultern der Beiden.
„Macht es gut, Jungs… macht uns keine Schande im Heim, hm?“ Paavo lächelte uns traurig an.
„Ja, Sire!“, riefen wir letztes Mal schniefend aus, ehe Paavo, Eero und Pauli davon gingen.
Mein Herz wurde schwer, denn das hieß, ich musste mich von Aki verabschieden. Wir würden in verschiedenen Heimen aufwachsen.
„Aki… ich… ich werde dich nie vergessen, du… du bist mein bester Freund“, schluchzte ich. Aki nahm mich weinend in den Arm. Tröstend strich er mir über den Kopf.
„Ich… ich werde dich nie vergessen, Lauri, nie! Du bist auch mein bester Freund!“ Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und zog ein altes, verdrecktes Cappy aus seinem Rucksack.
„Das… das schenk ich dir…“ Ich fiel Aki um den Hals und ließ ihn erst los als die Frau vom Kinderheim ihn mitnahm. Ich blieb zurück und wurde erst später abgeholt, während ich das Cappy an mich drückte.
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